Kinderwerkzeug für den Start, diese Werkzeuge brauchen Kinder wirklich
Wer mit Kindern mit Holz arbeiten möchte, braucht erst einmal gar nicht so viel Werkzeug.
Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Kindern in der Holzwerkstatt und habe in dieser Zeit viele verschiedene Werkzeuge ausprobiert. Dabei habe ich gemerkt: Entscheidend ist nicht, möglichst viel Kinderwerkzeug anzuschaffen. Viel wichtiger ist, dass die Kinder mit dem Werkzeug gut zurechtkommen und möglichst viel selbst machen können.
Für den Anfang reichen deshalb einige wenige, gut ausgewählte Werkzeuge.
Eine einfache Handsäge für den Anfang
Für Kinder, die noch keine Erfahrung mit dem Sägen haben, finde ich eine einfache Handsäge mit auswechselbarem Sägeblatt für den Einstieg wichtig.
Am Anfang passiert es schnell, dass Kinder die Säge noch nicht ganz gerade führen und das Sägeblatt verdrücken. Dadurch kann es sich verbiegen oder schräg werden. Bei einer einfachen Handsäge ist das nicht weiter schlimm, denn das Sägeblatt lässt sich einfach austauschen.
Mit einer Japansäge würde ich bei ganz ungeübten jüngeren Kindern noch nicht starten. Das dünne Sägeblatt hat keinen stabilisierenden Rücken. Gerade am Anfang passiert es schnell, dass die Kinder die Säge etwas schräg führen, das Sägeblatt dabei verbiegen und stark unter Spannung setzen. Dadurch kann das Sägeblatt beschädigt werden.
Deshalb gilt für mich bei blutigen Anfängern: erst einmal mit einer einfachen Handsäge beginnen.
Bei älteren Kindern, zum Beispiel ab etwa acht Jahren, sehe ich das etwas anders. Sie können auch gleich mit einer Japansäge beginnen. Durch ihr Alter und ihre motorischen Fähigkeiten kommen sie häufig schon besser mit dem dünnen Sägeblatt zurecht.
Ein Hammer, der gut in Kinderhände passt
Beim Hammer dachte ich früher: Je leichter, desto besser für Kinder. Heute sehe ich das anders.
Ein sehr leichter Kinderhammer, zum Beispiel mit nur 100 Gramm, klingt zunächst sinnvoll. In der Praxis habe ich aber festgestellt, dass ein etwas schwererer Hammer für Kinder oft besser funktioniert. Das Eigengewicht hilft beim Einschlagen des Nagels. Mit einem sehr leichten Hammer brauchen die Kinder mehr Kraft und häufig auch mehr Schläge.
Trotzdem sollte ein Kinderhammer nicht einfach ein großer, schwerer Erwachsenenhammer sein. Die Proportionen müssen zum Kind passen.
Mir ist ein verkürzter Griff wichtig, den das Kind gut umfassen kann. Ist der Hammer insgesamt zu groß oder der Griff zu lang, kann das Kind ihn nicht mehr so gut kontrollieren.
Und noch etwas ist gerade für Anfänger wichtig: Die Schlagfläche sollte nicht zu klein sein. Mit einem sehr schmalen Hammerkopf ist es für Kinder deutlich schwieriger, den Nagel zu treffen. Eine etwas größere Schlagfläche erleichtert den Einstieg.
Für mich gehört deshalb alles zusammen: genügend Eigengewicht, ein verkürzter Griff, gute Proportionen für Kinderhände und eine ausreichend große Schlagfläche.
So kann das Kind den Hammer gut führen, den Nagel leichter treffen und das Gewicht des Hammers beim Einschlagen für sich arbeiten lassen.
Der Handbohrer gehört für mich unbedingt dazu
Bevor Kinder mit einem Akkuschrauber arbeiten, lasse ich sie mit einem Handbohrer bohren. Dabei lernen sie, den Bohrer gerade zu halten, Druck auszuüben und in die richtige Richtung zu drehen.
Gerade die Drehrichtung ist für Anfänger gar nicht so einfach. Deshalb zeichne ich die richtige Drehrichtung direkt auf dem Handbohrer mit einem Pfeil an. So kann das Kind selbst nachschauen, in welche Richtung es drehen soll.
Dreht das Kind in die falsche Richtung, kann sich der Bohrer im Bohrfutter lockern. Dann hat es plötzlich den Handbohrer in der einen und den Bohrer in der anderen Hand. Natürlich kann ein Kind diese Erfahrung auch selbst machen und daraus lernen. Mit dem Pfeil ist es für den Einstieg aber einfacher und das Kind kann sich selbst orientieren.
Für den Anfang finde ich einen 4 oder 5 mm Holzbohrer ideal. Ein sehr dünner Bohrer kann leichter abbrechen. Bei einem großen Bohrer ist dagegen der Widerstand im Holz größer und das Bohren wird anstrengender.
Auch das Holz macht einen Unterschied. Fichte, Tanne oder Kiefer eignen sich gut als Starterholz, weil sie relativ weich sind und sich mit dem Handbohrer gut bearbeiten lassen.
Rutscht der Bohrer immer wieder ab, kann man gemeinsam schauen: Sitzt die Spitze richtig im Holz? Dreht das Kind in die richtige Richtung? Hält es den Bohrer einigermaßen gerade?
Beim Handbohrer können Kinder sehr gut verstehen und spüren, wie Bohren eigentlich funktioniert.
Raspel und Feile, ein guter Einstieg ganz ohne Säge
Eine Feilraspel gehört für mich unbedingt in eine Anfängerkiste. Denn nicht jedes Kind möchte gleich beim ersten Mal mit einer Säge arbeiten. Manche haben noch ein bisschen Respekt davor, und das ist völlig in Ordnung.
Ein schönes Projekt für den Einstieg kann zum Beispiel ein Zauberstab sein. Dafür braucht es nur ein Stück Vierkantholz. Mit der Feilraspel können die Kinder Kerben, Rillen und Muster in das Holz arbeiten und erleben dabei sehr schnell, wie sie das Holz selbst verändern können.
Der Zauberstab ist dabei nur eine Möglichkeit. Mir ist wichtig, dass die Kinder selbst entscheiden können, was sie machen möchten.
Gerade für Kinder, die sich an die Säge noch nicht herantrauen, ist die Feilraspel ein unkomplizierter Einstieg ins Holzwerken. Sie können sofort selbst tätig werden und Erfahrungen mit einem richtigen Werkzeug sammeln, ohne gleich mit der scharfen Säge zu arbeiten.
Genau deshalb ist der Zauberstab auch eines der Projekte in meinem Buch „Holzwerkstatt für Kindergartenkinder“. Er zeigt schön, dass der Einstieg ins Holzwerken nicht kompliziert sein muss.
Die Säge kann dazukommen, wenn das Kind sie ausprobieren möchte.
Ein kleiner Schleifklotz
Einen kleinen Schleifklotz finde ich für Kinder sehr sinnvoll. Wichtig ist mir, dass er wirklich in eine Kinderhand passt. Das Kind sollte den Schleifklotz mit der ganzen Hand umfassen können. Ein großer Schleifklotz für Erwachsene ist dafür oft unpraktisch.
Auch mit Schleifpapier allein können Kinder gut arbeiten. Bei kleinen Holzteilen legt das Kind das Schleifpapier flach vor sich auf den Tisch. Mit einer Hand hält es das Schleifpapier fest, mit der anderen schiebt es das Holzstück darauf hin und her.
So kann es gut beobachten und fühlen, wie nach und nach Material abgetragen wird.
Weniger günstig finde ich es, wenn Kinder das Schleifpapier in der Hand halten und damit frei am Werkstück schleifen. Gerade jüngere Kinder haben dabei noch wenig Gefühl dafür, wo und wie viel sie abschleifen.
Deshalb finde ich für den Einstieg beides gut: einen kleinen Schleifklotz, der gut in die Kinderhand passt, oder bei kleinen Werkstücken Schleifpapier flach auf dem Tisch.
Ein Winkel hilft beim geraden und sicheren Sägen
Einen Schreinerwinkel finde ich beim Holzwerken mit Kindern wichtig. Damit können die Kinder vor dem Sägen selbst einen geraden Strich auf dem Holz anzeichnen.
Natürlich wird der Sägeschnitt am Anfang trotzdem nicht immer ganz gerade. Aber die Kinder möchten ja selbst, dass ihr Schnitt so gut wird, wie sie es eben können. Eine gut sichtbare, gerade Linie hilft ihnen dabei.
Für mich hat das Anzeichnen aber noch einen zweiten wichtigen Grund: Ein gerader Sägeschnitt macht das Sägen auch sicherer.
Wenn die Kinder möglichst gerade sägen, verkantet die Säge nicht so leicht. Dadurch ist die Gefahr geringer, dass die Säge zwickt oder seitlich aus dem Sägeschnitt herausrutscht.
Wenn Kinder ganz am Anfang stehen und mit dem Winkel noch nicht selbstständig umgehen können, zeichne ich ihnen die Sägelinie vor. Bei einer Leiste mache ich zusätzlich einen zweiten Strich in Verlängerung des ersten. So sehen die Kinder nicht nur, wo sie mit der Säge ansetzen sollen, sondern auch, in welche Richtung sie weitersägen müssen.
Gerade für Anfänger ist das eine große Hilfe. Sie können sich beim Sägen an beiden Markierungen orientieren und merken leichter, wenn die Säge beginnt, aus der Richtung zu laufen.
Später können die Kinder diese Linien mit dem Winkel selbst anzeichnen. So kommt Schritt für Schritt ein weiterer Arbeitsgang dazu, den sie alleine übernehmen können.
Winkel anlegen, Linie anzeichnen, Werkstück fest einspannen und dann sägen.
Einspannen ist für mich besonders wichtig
Eine gute Einspannmöglichkeit gehört für mich zu den wichtigsten Dingen beim Holzwerken mit Kindern.
Ich sehe immer wieder Bilder im Internet, auf denen ein Kind das Holz festhält, während ein anderes Kind daran sägt. Das halte ich für keine gute Lösung.
Zum einen möchte ich nicht, dass ein Kind seine Hände in der Nähe hat, während ein anderes mit der Säge arbeitet. Zum anderen geht dabei etwas verloren, das mir beim Holzwerken besonders wichtig ist: Das Kind soll möglichst eigenständig und selbstständig arbeiten können.
Das funktioniert nur, wenn das Werkstück wirklich fest eingespannt ist. Dann kann das Kind selbst sägen, bohren, raspeln oder feilen, ohne dass ein anderes Kind oder ein Erwachsener das Holz festhalten muss.
Je nach Arbeit können Schraubzwingen, eine Gehrungslade oder ein Schraubstock sinnvoll sein.
Auch die Gehrungslade muss fest sitzen. Wenn sie beim Sägen auf dem Tisch hin und her rutscht, hilft sie dem Kind wenig. Man kann sie zum Beispiel mit Schraubzwingen befestigen. Bei einem alten Arbeitstisch, bei dem ein paar Schraubenlöcher nicht stören, kann es auch sinnvoll sein, die Gehrungslade direkt auf den Tisch zu schrauben.
Beim Schraubstock ist mir besonders wichtig, dass Kinder ihn selbst öffnen und schließen können. Wenn jedes Mal ein Erwachsener kommen muss, um das Werkstück einzuspannen, ist das für mich nicht die richtige Lösung.
Gut eingespannt bedeutet für mich deshalb nicht nur sicherer arbeiten. Es bedeutet vor allem: Das Kind kann es selbst machen.
Braucht es eine Kinderwerkbank?
Fürs Holzwerken mit Kindern braucht es meiner Erfahrung nach keine spezielle Kinderwerkbank. Viel wichtiger ist ein stabiler Tisch in der richtigen Höhe.
Das kann ein alter Kindertisch sein, wenn die Höhe passt. Genauso gut eignet sich ein alter, stabiler Tisch, dessen Beine entsprechend gekürzt werden. Eine Tischhöhe von ungefähr 60 cm bis zur Oberkante der Tischplatte hat sich bei mir für Kindergartenkinder gut bewährt.
Gerade ältere Tische sind oft erstaunlich stabil. Das ist mir lieber als eine günstige Kinderwerkbank, die zwar nach Werkstatt aussieht, beim Sägen oder Feilen aber wackelt.
Auf einem stabilen Tisch lassen sich Schraubstock, Schraubzwingen oder eine Gehrungslade gut befestigen.
Für mich ist deshalb nicht entscheidend, ob es eine „Kinderwerkbank“ ist. Entscheidend ist, dass die Höhe passt, der Tisch stabil steht und die Kinder ihr Werkstück gut einspannen können.
Eine Beißzange, damit Kinder Nägel selbst wieder herausbekommen
Eine Beißzange ist praktisch, wenn ein Nagel schief eingeschlagen wurde oder wieder herausgezogen werden soll. Und schiefe Nägel gehören beim Lernen einfach dazu.
Bei Anfängern zeige ich den Kindern, dass sie den Nagel mit der Beißzange nicht gerade nach oben herausziehen, sondern heraushebeln. Dazu wird die Beißzange am Nagel angesetzt und über den Zangenkopf seitlich abgerollt. So lässt sich der Nagel mit deutlich weniger Kraft aus dem Holz ziehen.
Ein Schreiner oder Tischler würde das vielleicht anders machen, denn beim Heraushebeln kann der Zangenkopf eine kleine Delle im Holz hinterlassen. Für mich ist beim Arbeiten mit Kindern aber etwas anderes wichtiger: Das Kind soll den Nagel selbst herausbekommen.
Außerdem finde ich das Heraushebeln für Anfänger sicherer. Wer mit viel Kraft gerade nach oben zieht und der Nagel plötzlich nachgibt, kann mit der Beißzange schnell in Richtung Gesicht kommen.
Deshalb gilt bei mir für Anfänger: nicht kräftig nach oben ziehen, sondern den Nagel heraushebeln.
Und wohin mit dem Werkzeug?
Eine einfache Werkzeugkiste reicht vollkommen.
Kinder lernen dadurch auch, ihr Werkzeug wieder an seinen Platz zu legen. Wer möchte, kann die Werkzeuge zusätzlich markieren. Das ist besonders praktisch, wenn mehrere Kinder gemeinsam arbeiten.
Auch die Werkzeugkiste selbst kann ein schönes Bauprojekt sein.
Welches Kinderwerkzeug braucht man also für den Anfang?
- Für eine erste kleine Ausstattung würde ich diese Werkzeuge auswählen:
- eine einfache Handsäge mit auswechselbarem Sägeblatt
- einen passenden Hammer
- einen Handbohrer
- Holzbohrer, für den Einstieg gerne 4 oder 5 mm
- eine Feilraspel
- einen kleinen Schleifklotz und Schleifpapier
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Handsäge für Kinder
7,70 €zzgl. Versandkosten
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Schraubzwinge für Kinder 200 x 50 mm
11,95 €zzgl. Versandkosten
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Kinderhandbohrmaschine
25,95 €zzgl. Versandkosten
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Holzspiralbohrer
6,90 €zzgl. Versandkosten
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Werkzeugkiste Holz
38,50 €zzgl. Versandkosten
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Zwickzange
6,50 €zzgl. Versandkosten
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Schreinerwinkel
9,95 €zzgl. Versandkosten
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Feilraspel für Kinder
6,95 €zzgl. Versandkosten
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Raspel halbrund für Kinder
6,95 €zzgl. Versandkosten
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Schleifklotz
3,50 €zzgl. Versandkosten









